Lori Nelson Spielman - Und nebenan warten die Sterne - Buchrezensionen

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Titel
Schwacher Anfang, starkes Ende

Über den Inhalt wurde bereits genug geschrieben und ich verfasse nun nicht die 100. Inhaltsangabe.

Als Fan von Lori Nelson Spielman tut es mir natürlich sehr leid, einen Stern abzuziehen. Um ehrlich zu sein, dachte ich am Anfang, dass ich nur mit zugekniffenem Auge maximal drei Sterne geben kann. Die ersten neun Kapitel waren eine Katastrophe, das war nicht Lori Nelson Spielman. Das war nicht ihr Stil.

All jenen, denen es ähnlich geht, kann ich nur sagen: Haltet durch!

Denn mitten im zehnten Kapitel keimte plötzlich Hoffnung in mir auf, dass das Buch doch noch besser werden könnte und ich wurde belohnt, dafür, dass ich durchgehalten habe. Da war sie wieder, die Autorin, die ich gerne lese.
Und es wurde bis zum Ende hin immer besser. Das Ende selbst (die letzten zwei oder drei Kapitel) hat mich umgehauen; ich habe Rotz und Wasser geheult, weil es so wunderbar war, so schön beschrieben, so Happy End-mäßig, trotz des traurigen Grundthemas.

In den Rezensionen wird viel über die Weisheitssprüche geschrieben, die in der Familie über die Generationen weitergegeben werden. Mich persönlich hat nur ein einziger Spruch wirklich nachhaltig gepackt. Er wurde mir regelrecht um die Ohren gehauen und ließ mich über einiges nachdenken. Er lautet: "Verwechsle niemals das, was wichtig ist, mit dem, was wirklich zählt."
Dieser Spruch bleibt in mir ... er wirkt nach und vielleicht braucht man (diese) 384 Seiten, um ihn wirklich zu begreifen.

Die Hauptprotagonisten dieser Geschichte sind Erika, die Mutter, und Annie, die Tochter. Die zweite Tochter, Kristen, stirbt bei einem Zugunglück. Leider, denn sie war die einzige, mit der ich von Anfang an warm wurde. Bei Erika und Annie hat es einige Kapitel gedauert, weil sie mir sehr kalt erschienen durch die Erzählungen in den ersten Kapiteln. Aber mal ehrlich: Gibt es etwas Schlimmeres, als wenn ein geliebter Mensch stirbt? Ja, wenn dieser geliebte Mensch das eigene Kind ist!
Ich kann nachvollziehen, warum Erika so ist/war und warum Annie so ist und war. Das hat nichts mit Naivität zu tun, sondern damit, dass man versucht, weiterzuleben oder versucht, nicht selbst daran zugrunde zu gehen und langsam auch zu sterben.
Darum geht es auch im Buch: Den Weg zurück ins Leben zu finden, glücklich zu werden und zu erkennen, was wirklich zählt.

Alle anderen Personen im Buch sind wunderbar beschrieben und auch die Orte konnte ich mir sehr gut vorstellen. Wunderschön fand ich den eingeflochtenen Austausch mit "Wunder-gesucht" und ganz besonders die Auflösung dieses Rätsels. Aber das müsst ihr selbst lesen.

Der Schreibstil ist, wie gewohnt, flüssig, flott und packend.
Die Kapitel wechseln - mehr oder weniger regelmäßig - immer zwischen Erika und Annie. Die Kapitel von Erika sind in der Ich-Perspektive geschrieben und die Kapitel von Annie in der Erzähler-Perspektive. Das passt, ist dennoch flüssig zu lesen und ich brauchte mich nicht daran gewöhnen. Anders hätte das Buch wohl nicht diese Wirkung gehabt.

So enttäuscht ich am Anfang war, so begeistert bin ich am Ende.

Inzwischen bin ich geneigt, fünf Sterne zu geben, aber die ersten Kapitel waren einfach für mich zu schlecht, so, dass ich fast abgebrochen hätte. Liegt es an der Autorin, am Lektorat oder an etwas Anderem? Ich weiß es nicht. Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich fünf Sterne geben würde.

4 verdiente Sterne mit meiner Lese- und Kaufempfehlung und der Bitte, am Anfang einfach durchzuhalten.
Seitenzahl (Print-Ausgabe): 384 Seiten
Sprache: Deutsch
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Taschenbuch: 14,99€
E-Book: 12,99€
ISBN-10: 3810524719
ISBN-13: 978-3810524713
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